"Reicher Mann und armer Mann

standen da und sah'n sich an.

Und der Arme sagte bleich:

Wär' ich nicht arm, wärst Du nicht reich."


Bertolt Brecht
 

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Widerstand

Viele Menschen haben Widerstand geleistet.
Ansonsten ginge es auch den beherrschten Menschen in der BRD nicht so relativ gut.

Widerstand in der BRD verschlechtert allerdings auch die Lebensbedingungen anderswo, weil die Herrschenden in diesem Gesamt-System sich nur äußerst wenig von ihrem Profit (Ertrag ihrer Ausbeutung anderer Menschen) nehmen lassen wollen.

Und: 
Zu viele Menschen machen in diesem System 
der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen mit.

 

Hier zwei Beispiele widerständiger Menschen:

Stéphane Hessel (1917 - 2013)

“Neues schaffen heißt Widerstand leisten. 
Widerstand leisten heißt Neues schaffen.” 

Mit diesen Worten beendet Stéphane Hessel seine Streitschrift. 
Stéphane Hessel ist wütend auf die aktuellen Zustände.

Stéphane Hessel leistete aktiven Widerstand gegen die Nationalsozialisten und saß für einige Zeit im KZ Buchenwald. 
Stéphane Hessel ist der letzte noch lebende Mitunterzeichner der Menschenrechtscharta der Vereinten Nation (Viele Rechte, die damals aufgeschrieben wurden, werden heute gebrochen). 
Er fordert, dass die Menschen sich empören über das Unrecht, das auf unserer Erde herrscht. 
Er fordert uns auf, den Gedanken Résistance zu erhalten, zu verteidigen.

 

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Heike Kamp-Bleines (1954 bis 2012)

war im Widerstand gegen Atom und Macht, für Frieden und Gerechtigkeit aktiv.
Sie war in vielen Aktionen dabei, zu Chile und Nicaragua, in Hanau und Frankfurt. 
In den letzten Jahren vor ihrem frühen Tod hat sie viel mit den Menschen von 
"Ordensleute für den Frieden" demonstriert/ agiert.

Prozesserklärung von Heike Kamp-Bleines im Verfahren wegen des Vorwurfs des Hausfriedensbruchs vor dem Amtsgericht Köln am 6.4.2000 (Aktion in der Deutsche Bank-Filiale Köln am 27.5.99)

Beispielhaft veröffentlichen wir hier eine ihrer Prozesserklärungen. 
Statt stillschweigend ihre "Strafe" zu bezahlen, ist sie in den Knast in Ffm gegangen.

 

Prozesserklärung  

(Heike Kamp-Bleines, Maintal; 6. April 2000)

 Ich bin Mutter von drei Kindern und lebe mit meiner Familie im Wohlstand. Ich bin mir der Diskrepanz unserer Lebensverhältnisse zu 2/3 von der Menschheit bewusst. Schmerzlich bewusst, weil es ja nicht nur um einen verschiedenen Lebensstandard geht, sondern oft um Leben oder Tod. 

Ich möchte nicht tatenlos zusehen, wie die Menschen ihrer Lebensrechte beraubt werden. 

Ich denke daran, dass 800 Millionen Menschen in den südlichen Ländern der Erde von Hunger bedroht sind und weit unter der Armutsgrenze leben und dass allein jährlich 500 000 Kinder an den Folgen der Verschuldung ihrer Heimatländer sterben und dass auch in unserem Land die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklafft. Dazu kommt das unglaubliche Ausmaß an skrupelloser Naturzerstörung. Die reichen 20 % der Menschheit verbrauchen mehr als 80 % der Ressourcen der Erde. Sie sind verantwortlich für mehr als 80% des Schadstoffausstoßes und für den rücksichtslosen Verbrauch an nicht erneuerbarer Rohstoffe . "Eine Räuberbande" nennt der Physiker und Friedensnobelpreisträger Hans‑Peter Dürr die führenden Personen in Wirtschaft und Gesellschaft, die bereit sind im Namen der Wertschöpfung immer neue und immer größere Tresore der Natur aufzubrechen und auszurauben." Die Vernichtung der Urwälder, das Ausfischen der Meere, das Artensterben (man streitet darüber, ob stündlich 1 Art ausstirbt oder 10 Arten), Atommüll, die Freisetzung immer neuer chemischer Verbindungen, die zum Bumerang werden können, wie das FCKW der Kühlschränke, Gentechnologie und Massentierhaltung. Ich würde sagen, wir haben den Überblick darüber verloren, was wir mit unserer Art zu leben, zu wirtschaften und zu produzieren in der Welt anrichten. 

Mit 15 Jahren habe ich, durch eine kirchliche Jugendgruppe angeregt, angefangen das verheerende Ausmaß der Ungerechtigkeit in der Welt zu sehen. Damals habe ich mich für mehr und eine sinnvollere Entwicklungspolitik eingesetzt und für eine gerechtere Verteilung des Reichtums. Heute ist mir klar, dass das Problem in der Struktur des Geldsystems selbst liegt. Das Geld hat seine sinnvolle Funktion als pures Tauschmittel weitgehend eingebüßt. Geldverwertung und vor allem Vermehrung ist zum Selbstzweck geworden und gleicht in seiner zerstörerischen Dynamik einem wucherndem Krebsgeschwür. Mit Zins und Zinseszins verdoppeln sich Geldvermögen in regelmäßigen Abständen. (bei 3 % in einem Zeitraum von 24 Jahren, bei 6 % in zwölf Jahren, bei 12 % in 6 Jahren ) So vermehrt sich das Geld auf wundersame Weise ständig in der Hand derer, die ohnehin genug davon haben und dies zwangsläufig und skrupellos auf Kosten der Armen. Um außerdem letztlich die Unmöglichkeit eines andauernden exponentiellen Wachstums zu verdeutlichen sei folgendes Analogiebeispiel erwähnt: " Hätte jemand einen Pfennig mit 4 % Zinsen zur Geburt Christi investiert, so hätte er damit im Jahre 1750 eine Kugel aus Gold vom Gewicht der Erde kaufen können. 1990 hätte er bereits den Gegenwert von 890 solcher Kugeln erreicht." ( zitiert aus Christoph Körner „Die Frage des Geldes als Schlüsselproblem der Wirtschaftsethik für die Theologie") 

Seit 10 Jahren halten die "Ordensleute für den Frieden" einmal im Monat eine Mahnwache vor der Deutschen Bank in Frankfurt. Zunächst ging es uns um die Befreiung der sogenannten "Entwicklungsländer" aus der tödlichen Falle der Verschuldung bei den Industrienationen. Heute wollen wir mit unseren Aktionen die herrschende Geldordnung mit ihrem räuberischen Zinswesen in Frage stellen. Es geht um einen grundsätzlichen Perspektivenwechsel in der Wirtschaft. Wir treten dafür ein, dass das primäre Ziel des Wirtschaftens nicht, die vom Weltmarkt diktierte Geldvermögensvermehrung ist sondern die Befriedigung der Grundbedürfnisse der Menschen in ihrer eigenen sozialen, kulturellen und natürlichen Umwelt. Wir wenden uns damit gegen das aggressiv verteidigte Wirtschaftswachstum. Wir treten dafür ein, dass Rücksicht auf die Lebensmöglichkeiten der zukünftigen Generationen genommen wird und auch Rücksicht auf Tiere und Pflanzen, Flüsse, Meere, Erde Luft. Wir wollen es nicht mehr länger hinnehmen, dass die aggressive Form unseres Geldsystems sich beinahe als Naturgesetz ausgibt und sich weiter zwischen die Menschen schiebt, zwischen die Völker und zwischen uns Menschen und die Schöpfung. 

Für mich gibt es daher keinen stimmigeren Ort, als mich mit diesem Anliegen vor die größte Bank der Welt zu stellen oder mich auch in sie hinein zu setzen. Sie steht für mich exemplarisch für dieses Unrechtssystem. Worum es letztlich dieser Bank geht, das ist für mich durch die Fusion mit der Dresdner Bank noch deutlicher zum Ausdruck gekommen Es geht um das ganz große Geld, um Spekulationsgewinne, um eine Globalisierung des Kapitals, was gleichzeitig eine Globalisierung der Armut bedeutet. 

Ich frage Sie bei dieser ungeheuerlichen Machtkonzentration nach der Verhältnismäßigkeit Ihrer Anklage. Wenn Sie sich vor Augen stellen, welches Leid diese Form des Wirtschaftens verursacht : Verelendung und Sterben durch Hunger und medizinische Unterversorgung, Krieg Flüchtlingsströme, Arbeitslosigkeit und daraus folgend Gewalt und Verzweiflung in den Familien, dann ist das stille Sitzen vor einer Kerze und vor einem symbolischen Grabstein in einem Schalterraum einer Bank ein harmloses Zeichen des Protestes. Wenn es um die Frage der Schuld geht: 

Ja, schuldig fühle ich mich, aber nicht wegen der Mahnwache in der Deutschen Bank. Schuldig fühle ich mich, weil auch ich mit meiner Familie zu den Gewinnern gehöre und so vom Leiden anderer Menschen indirekt profitiere, ob ich will oder nicht. Manchmal fühle ich mich einfach schuldig, weil ich zu resigniert bin, zu wenig Phantasie habe, zu wenig Elan, mich nicht kontinuierlich genug engagiere. Und wenn es um Recht oder Unrecht geht, so finde ich dass hier andere Leute vor Gericht sitzen müssten, nämlich die Verursacher und Betreiber der globalen Zerstörung. Sie werden mir vielleicht entgegenhalten: ihre Motive in allen Ehren, aber verhalten Sie sich im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. Sie sind zahlreich. Wir leben in einer Demokratie. Da gibt es Regeln, die für alle gelten und wir sind dafür da, “auf ihre Einhaltung zu achten". Aber ich denke, es gibt auch ein Recht auf Widerstand - nämlich dann, wenn Leben wirklich bedroht ist und mit den Mitteln der parlamentarischen Demokratie nicht rechtzeitig und hinreichend geschützt wird. Nicht nur das Leben der Menschen in der Ferne ist bedroht, sondern auch das Leben meiner Kinder, z.B. durch die rücksichtslose Naturzerstörung durch das Primat der Geldvermehrung. Auch deshalb habe ich in der Deutschen Bank gesessen. Ich selber möchte keine Querulantin sein und ich habe auch kein Gesellschaftskonzept in der Tasche, dass eine realistische Alternative zum wucherndem Kapitalismus oder zum gescheiterten diktatorischen “Realen Sozialismus" bietet. Ich möchte Visionen entwickeln, wie die Menschen dieser Erde miteinander leben können und dazu gehört es, die Finger in die Wunden zu legen. Ohne die Negativa zu kennen und zu benennen, gibt es keine Weiterentwicklung weder im persönlichen, noch im gesellschaftlichen Leben. Dass wir uns in unserer Gruppe dabei zu Aktionsformen von gewaltfreiem zivilen Ungehorsam durchgerungen haben, war kein leichter Schritt. Diese Aktionen sind für uns mit Aufregung und Ängsten verbunden. Denn auch wir sind entsprechend unseren Gesetzen sozialisierte Bürger. Mir wird vorgeworfen, den Hausfrieden der “Deutschen Bank" gebrochenzu haben. Aber ich habe uns als Friedensboten verstanden, in einem Haus, das nachhaltig den Weltfrieden gefährdet. 

Schlusswort: Ich möchte Ihnen versichern, dass ich froh bin dabei gewesen zu sein, und ich würde es jederzeit wieder tun, egal mit welcher Strafe Sie mich belegen, solange die Verhältnisse sich nicht ändern und es meine Kräfte und mein Mut zulassen. Und ich werde dafür auch in's Gefängnis gehen und ich bin dankbar dafür, dass meine Familie und meine Freunde mich dabei unterstützen.

 

 

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Weitere "Beispiele von Widerstand" werden folgen

 

 

Für eine andere Welt

(Frankreich, 2010, 52mn)   ---   ARTE F

Erstausstrahlungstermin:
Di, 9. Nov 2010, 23:03
Dieser Film ist auf Arte nicht mehr zu sehen, 
u.a. wg. Staatsvertrag zu Ungunsten der GebührenzahlerInnen (das sind z.Zt. alle Wiohnungsinhaber*innen)

also müssen wir jetzt abschnittweise fernsehen, 
bei youtube:

Teil 1: http://www.youtube.com/watch?v=_QpIqcfsDlQ

Griechenland, Frankreich, Dänemark, Brasilien oder China - überall auf der Welt regt sich entschiedener Widerstand. Hier der Zorn der Jugendlichen, dort die Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen, der Aufstand der vom System Ausgeschlossenen.
Nie zuvor war der Geist der Revolte so stark und so verbreitet. 
Allein im Jahr 2009 wurden weltweit 524 Aufstände gezählt, und fast ein Drittel davon fand in Europa statt. 
Alle Proteste werden von jungen Menschen getragen, die ihrem Unmut über die Globalisierung Luft machen wollen.

Teile 2-4
http://www.youtube.com/watch?v=uooLoBVSQzE

http://www.youtube.com/watch?v=MSuqUwU9vaE

http://www.youtube.com/watch?v=UGjnxEg_4v0

 

 

 

 

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Stand: 27. Januar 2016