"Reicher Mann und armer Mann

standen da und sah'n sich an.

Und der Arme sagte bleich:

Wär' ich nicht arm, wärst Du nicht reich."


Bertolt Brecht
 

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Wie Reichtum mit einer Stadt umgeht.

Oetker.Macht.Bielefeld

1933 bis 2016

 

aus: „DIE ZEIT“ von 1968, gekürzt
Hervorhebungen durch reichtumskritik.de

 

4. Oktober 1968

In Bielefeld entbrannte ein Streit um den Namen der neuen Kunsthalle:
Stört die Vergangenheit Richard Kaselowskys?

Ohne Oetker keine Feier

Der Wunsch des Konzernchefs war dem Rat Befehl

Von Hang von Kuenheim

„ …   
Da ist das Haus Oetker („Wendiger David unter den internationalen Großkonzernen“; Backpulver, Eiskrem, Bier, Sekt, Banken, Fische, Schiffe, Versicherungen, Sanatorium; geschätzter Umsatz über eine Milliarde Mark) mit seiner in Bielefeld beheimateten Konzernleitung. Und das Haus Oetker ist großzügig und übt sich in Mäzenatentum. … Jetzt schenkte es der Stadt die neue Kunsthalle, einen Bau, der zwar von außen aussieht wie ein überdimensionales Kriegerdenkmal, wohl aber in der Geschichte der Museumsbauten einen ersten Platz einnehmen wird, und für den Oetker über zehn Millionen Mark dedizierte. Ein Geschenk, das Bielefelds Oberbürgermeister und seine Ratsherren zu würdigen wussten: Sie entsprachen einstimmig dem Wunsch des Spenders, das Haus nach seinem Stiefvater zu benennen. Sie nannten das Kunsthaus Richard-Kaselowsky-Haus. Viel gedacht werden sie sich dabei nicht haben. In Bielefeld rangiert der Name Oetker wenn auch nicht vor dem lieben Gott, so doch gleich dahinter. Oetkers Wunsch war ihnen Befehl. Und schließlich hatte der Name Kaselowsky keinen schlechten Klang bei den Bielefeldern. Er leitete das Haus Oetker nach dem Ersten Weltkrieg und machte sich um die „wirtschaftlichen und kulturellen Belange der Stadt Bielefeld verdient“ und interessierte sich überdies für den „Aufbau der städtischen Sammlungen“.

Wenn da nun nicht die „Linke Baracke“ gewesen wäre.

Nichts hätte die westfälische Provinzstadt aus der Ruhe bringen können. Mit vielen schönen Reden, Dankessprüchen, feierlichem Schwarz, Lorbeerbäumen und ernster Musik hätte Bielefeld seinen großen Tag gehabt. So aber brachte eine Handvoll junger Leute es fertig, daß sich die Stadt plötzlich mit der Vergangenheit konfrontiert sah. Die jungen Leute nämlich fanden heraus, daß Richard Kaselowsky während des Dritten Reiches dem „Freundeskreis des Reichsführers SS“, kurz „Himmlerkreis“, angehörte. Und sie schrieben, dass sie Richard Kaselowsky für mitverantwortlich an den Gräueltaten des Faschismus hielten; ein Mann schließlich, der Parteimitglied seit 1933 gewesen sei. Nichts hätten sie dagegen, wenn das Haus Oetker ein Privathaus nach Richard Kaselowsky benenne, aber ein städtisches Haus? Die Studenten der kirchlichen Hochschule Bethel protestierten: „Das Argument, dass Herr Kaselowsky durch seinen Tod (im Familienbunker) seine politische Einstellung gesühnt habe (er starb bei einem Luftangriff im Jahre 1944, d. R.), ist ein Hohn auf jene, die im Kampf gegen das von Herrn Kaselowsky unterstützte Regime ermordet wurden.“

Die betretenen Ratsherren, das geschenkte Museum vor Augen, die anklagenden Fragen der Jugend im Herzen, wollten denn nun auch nicht mehr feiern. Den Namen ändern – dazu mochten sie sich aber auch nicht entscheiden.

Bielefelds kleine junge Linke hatte gesiegt. Ohne Oetker-Pudding zu werfen, ohne Polizisten zu provozieren.
… "

Der wunderbar zu lesende Gesamtartikel von 1968 ist dokumentiert auf:
http://www.zeit.de/1968/40/ohne-oetker-keine-feier/komplettansicht

 

 

Wir werden später dokumentieren:

Wiederholte Empörung und StadtBlatt Artikel 1998
Oetker und  Uni-Ehrenbürgerschaft

 

 

 

 

 

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Stand: 25. April 2016