"Reicher Mann und armer Mann

standen da und sah'n sich an.

Und der Arme sagte bleich:

Wär' ich nicht arm, wärst Du nicht reich."


Bertolt Brecht
 

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"Vom Faschismus soll schweigen,

wer vom Kapitalismus nicht reden will"

 

Max Horkheimer

 

 

 

 

alle folgenden Zitate aus: http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_r/reichtum.html

siehe unten auf dieser Seite

(unveränderter Originaltext, nur veränderte Formatierung)

 

 

 

Reichtum und Karl Marx

 

 

1. Entwicklung des Reichtums 
heißt Entwicklung der Produktivkräfte

 

Während das Kapital also einerseits dahin streben muss, jede örtliche Schranke des Verkehrs ... niederzureißen, die ganze Erde als seinen Markt zu erobern, strebt es andererseits danach, den Raum zu vernichten durch die Zeit; d. h. die Zeit, die die Bewegung von einem Ort zum anderen kostet, auf ein Minimum zu reduzieren. ... Die universelle Tendenz des Kapitals erscheint hier, die es von allen früheren Produktionsweisen unterscheidet.

Obgleich seiner Natur nach selbst borniert, strebt es nach universeller Entwicklung der Produktivkräfte und wird so die Voraussetzung einer neuen Produktionsweise ... Diese Tendenz ... unterscheidet das Kapital von allen früheren Produktionsweisen ... 
Alle bisherigen Gesellschaftsformen gingen unter an der Entwicklung des Reichtums oder, was dasselbe ist, der gesellschaftlichen Produktivkräfte. ...

Das Kapital setzt die Produktion des Reichtums selbst und daher die universelle Entwicklung der Produktivkräfte, die beständige Umwälzung seiner vorhandenen Voraussetzungen, als Voraussetzung seiner Reproduktion. 

K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 438f.

 

1.1. Kapitalistischer Reichtum

ist Kommandogewalt über Menschen

 

Reichtum als Sache (Sachwert oder Geld) verbraucht sich. Kapital ist aber Reichtum als Kommando über fremde Arbeit und schafft sich wie von selbst immer wieder neu.

 

...; es ist nicht der Besitz von Land oder Geld, sondern das Kommando über Arbeit (...), das die Reichen von den Armen unterscheidet ... Sir F. M. Eden: The State of the Poor. London 1797. 

Zit. n. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 644.

Nun ist der Reichtum einerseits Sache, verwirklicht in Sachen, materiellen Produkten, denen der Mensch als Subjekt gegenübersteht; andererseits als Wert ist er bloßes Kommando über fremde Arbeit ... 

K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Öko-nomie, 387.

 

Ein produktiver Arbeiter ist ein Arbeiter, der fremden Reichtum produziert. Nur als solches Produktionsinstrument für fremden Reich-tum hat seine Existenz einen Sinn. 

 

K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 196.

 

Ein Land ist umso reicher, je geringer seine produktive Bevölkerung verhältnismäßig zum Gesamtprodukt ist; ganz wie für den einzelnen Kapitalisten, je weniger Arbeiter er braucht, um denselben Mehrwert zu erzeugen, umso besser für ihn.

Das Land ist umso reicher, je geringer die produktive Bevölkerung im Verhältnis zur unproduktiven, bei derselben Quantität von Produkten. Denn die verhältnismäßige Geringheit der produktiven Bevölkerung wäre ja nur eine anderer Ausdruck für den verhältnismäßigen Grad der Produktivität der Arbeit. 

K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 199.

 

 

1.2. Notwendiger Konsum und Luxus?

 

Um uns mit der derzeitigen Spaltung von Armen und Reichen auszusöhnen, möchten die Herrschenden uns vorschreiben, was notwendiger Konsum und was überflüssiger Luxus ist. Luxus ist Fortschritt. Am Luxus ist nicht zu kritisieren, dass es ihn gibt, 
sondern, dass es ihn nur für Wenige gibt.

 

Luxus ist Gegensatz zum Naturnotwendigen.

Notwendige Bedürfnisse sind die des Individuums, reduziert selbst auf ein Natursubjekt. Die Entwicklung der Industrie hebt diese Naturnotwendigkeit, wie jenen Luxus auf in der bürgerlichen Gesellschaft allerdings nur gegensätzlich, indem sie selbst wieder nur bestimmten gesellschaftlichen Maßstab als den notwendigen gegenüber dem Luxus setzt.

 

K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 426.

 

Mit der Entwicklung der Produktivität der Arbeit entwickelt sich der Reichtum, so dass was früher als Luxus erschien, nun notwendig ist und so genannte Luxusbedürfnisse z. B. als Notwendigkeit ... erscheinen. 

K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 426.

 

 

 

 

2. Emanzipation heißt nicht Abschaffung des Reichtums, 
sondern Reichtum für alle

 

2.1. Reichtum ist

Mannigfaltigkeit der Bedürfnisse und Fähigkeiten

Je mehr die selbst geschichtlich durch die Produktion selbst erzeugten Bedürfnisse ... als notwendig gesetzt sind, umso höher ist der wirkliche Reichtum entwickelt. Der Reichtum besteht stofflich betrachtet nur in der Mannigfaltigkeit der Bedürfnisse. 

K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 426.

 

In der Tat aber, wenn die enge bürgerliche Form abgestreift wird, was ist der Reichtum anders, als die im universellen Austausch erzeugte Universalität der Bedürfnisse, Fähigkeiten, Genüsse, Produktivkräfte etc. der Individuen? Die volle Entwicklung der menschlichen Herrschaft über die Naturkräfte, die der so genannten Natur sowohl, wie seiner eigenen Natur? Das absolute Herausarbeiten seiner schöpferischen Anlagen, ohne andere Voraussetzung als die vorhergegangene historische Entwicklung, die diese Totalität der Einwicklung, d. h. die Entwicklung aller menschlichen Kräfte als solcher ... zum Selbstzweck macht?

K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 387.

 

Die Entwicklung der Wissenschaft ... ist die solideste Form des Reichtums, sowohl Produkt wie Produzent desselben ... 

K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 439.

 

2.2. Reichtum ist freie Zeit

 

wahrer Reichtum ... ist Zeit, die nicht durch unmittelbar produktive Arbeit absorbiert wird, sondern zum Genuss, zur Muße, so dass sie zur freien Tätigkeit und Entwicklung Raum gibt. 

K. Marx, Theorien über den Mehrwert III, MEW 26.3, 252.

 

Auf Schaffen verfügbarer Zeit beruht die ganze Entwicklung des Reichtums. 

K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 301.

 

Denn der wirkliche Reichtum ist die entwickelte Produktivkraft aller Individuen. Es ist dann keineswegs mehr die Arbeitszeit, sondern die verfügbare Zeit das Maß des Reichtums. 

K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 596.

 

Aber freie Zeit, verfügbare Zeit, ist der Reichtum selbst teils zum Genuss der Produkte, teils zur freien Tätigkeit, die nicht wie die Arbeit durch den Zwang eines äußeren Zwecks bestimmt ist, der erfüllt werden muss, dessen Erfüllung Naturnotwendigkeit oder soziale Pflicht ist, wie man will. 

K. Marx, Theorien über den Mehrwert III, MEW 26.3, 253.

 

2.3. Reichtum ist Ausbildung allseitiger Fähigkeiten und Bedürfnisse

 

Die Zeit ist der Raum für die Entwicklung der Fähigkeiten etc. 

K. Marx, Theorien  über den Mehrwert III, MEW 26.3, 252.

 

Als Fanatiker der Verwertung des Werts zwingt der Kapitalist rücksichtslos die Menschheit zur Produktion um der Produktion willen, daher zu einer Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte und zur Schöpfung von materiellen Produktionsbedingungen, welche allein die reale Basis einer höheren Gesellschaftsform bilden können, deren Grundprinzip die volle und freie Entwicklung jedes Individuums ist. 

K. Marx, Kapital I, MEW 23, 618.

 

Die universal entwickelten Individuen, deren gesellschaftliche Verhältnisse als ihre eigenen, gemeinschaftlichen Beziehungen auch ihrer eigenen gemeinschaftlichen Kontrolle unterworfen sind, sind kein Produkt der Natur, sondern der Geschichte. Der Grad und die Universalität der Entwicklung der Vermögen, worin diese Individualität möglich wird, setzt eben die Produktion auf der Basis der Tauschwerte voraus, die mit der Allgemeinheit die Entfremdung des Individuums von sich und von anderen, aber auch die Allgemeinheit und Allseitigkeit seiner Beziehungen und Fähigkeiten erst produziert. 

K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 80.

 

Die Gleichgültigkeit gegen eine bestimmte Art der Arbeit setzt eine sehr entwickelte Totalität wirklicher Arbeitsarten voraus, von denen keine mehr die alles beherrschende ist ... Die Gleichgültigkeit gegen die bestimmte Arbeit entspricht einer Gesellschaftsform, worin die Individuen mit Leichtigkeit aus einer Arbeit in die andere übergehen und die bestimmte Art der Arbeit ihnen zufällig, daher gleichgültig ist. Die Arbeit ... hat aufgehört als Bestimmung mit den Individuen in einer Besonderheit verwachsen zu sein. 

K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 25.

 

In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft, nachdem die knechtende Unterordnung der Individuen unter die Teilung der Arbeit, damit auch der Gegensatz geistiger und körperlicher Arbeit verschwunden ist; nachdem die Arbeit nicht nur Mittel zum Leben, sondern selbst das erste Lebensbedürfnis geworden; nachdem mit der allseitigen Entwicklung der Individuen auch ihre Produktivkräfte gewachsen und alle Springquellen des genossenschaftlichen Reichtums voller fließen erst dann kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen! 

K. Marx, Kritik des Gothaer Programms, MEW 19, 21.

 

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Stand: 31. Januar 2011